Gedenkstätte Mittelbau – Dora

Vor einiger Zeit besuchte ich die Gedenkstätte Mittelbau-Dora.
Mittlerweile ist das 2 Jahre her und trotzdem weiß ich noch genau, wie ich mich dort gefühlt habe.
Ich habe mich versucht auf die Eindrücke vorzubereiten. So schlimm konnte es schon nicht werden, immerhin ist das eine abgeschlossene Geschichte. Tragisch, nicht vertretbar und am besten auch nicht mehr zu erwähnen.
All die mentale Vorbereitung darauf brachte nichts.

Noch nichts zu sehen vom Gelände des alten KZs, und trotzdem überkam mich Beklemmung.
Das Wetter trug den Rest dazu bei. Es war nasskalt und diesig.
Als wir aus dem Auto stiegen schwiegen wir, als wären wir auf einer Berdigung. Kurzerhand entschlossen wir uns eine Führung mitzumachen. Mittlebau-Dora. Ein Arbeitslager unter Berge.
Und obwohl sie hier alles ausgebaut und umgebaut hatten, hätte ich es hier keinen Tag ausgehalten.
Mich schauderte es, als mir die Bilder in den Kopf schossen, wie es den Menschen hier früher egangen sein musste.
All diese Schicksäle. All der Schmerz. All das Leid.
Die Trümmer um einen herum. Der Zweifel an der Menschheit wuchs wieder einmal ins unermessliche.

IMG_6544IMG_6548

Nach der Führung unter Berge und den unzähligen Geschichten über all die Gefangenen, landeten wir endlich wieder an der Luft. Doch irgendwie machte es das nicht besser.
Auch die Ausstellung über die Geschichte des Konzentrationslagers nahm einen emotional ziemlich mit.
Auf dem Gelände hätte ich mich nicht gewundert, wenn plötzlich ausgehungerte Menschen an uns vorbeigelaufen wären, so tief steckte ich in der Vergangenheit. Ständig in Anspannung, dass etwas passieren könnte, obwohl diese Zeiten doch vorbei sind.

Abschließend ging es in die Baracken und ins Krematorium.
Meine Worte waren fort. Ich kann dazu nichts mehr sagen.
Zu dem Grauen, was hier so wirklich dargestellt wird. Wo es keinen Ausweg gibt, nur den, sich mit der Geschichte unseres Landes auseinanderzusetzen.
Und man tut es. Man nimmt es in sich auf und versucht ein besserer Mensch zu werden.
Ein besserer Mensch mit negativen Vorurteilen gegenüber dem Rest der Menschheit.

Internetseite: http://www.dora.de/29/

Advertisements

2 Kommentare

  1. Wenn ich das hier lese, erinnert mich das sehr an meinen Besuch im KZ Auschwitz-Birkenau. Das ist lang her, war während meiner Studienzeit in der DDR. Ich war damals wahrscheinlich etwa so jung wie Du jetzt, Ines.

    Der Besuch in den beiden Lagern Birkenau und Auschwitz hat sich tief in meine Seele und mein Herz gebrannt. Wir hatten übrigens ganz ähnliches Wetter wie Du in Dora. –

    Alles war beklemmend, grausig. Manchmal kam es mir vor als könnten plötzlich die Tore geschlossen werden, und ich wäre mittendrin in diesem scheußlichen Spuk, der so bittere, so furchtbare Realität war.

    Ich habe noch sehr viele einzelne Bilder in meinem Kopf, auch noch sehr viele Empfindungen. Die Rampe in Birkenau, die Abertausenden Brillen der vergasten, getötenen Menschen,ihre Haare, Ihren Zahnersatz … den Geruch, die Todesdwand, die vielen Faximiles, die einem das Deutsche dieses Verbrechens so ganz unmittelbar bewusst gemacht haben.

    Und es gab auch noch eine besondere, fast gespenstische Episode …

    Nein, wer diese Verbrechen heute noch leugnet, wer sie nicht wahrhaben will, wer sie verdrängt, wer am Ende sogar auf dem Wege ist, ähnliches wieder zulassen oder gar selbst mitverantworten zu können oder gar zu wollen, dem gehören ganz schnell und ganz energisch alle verfügbaren Grenzen gezeigt.

    Ich kann Deine Gefühlswelt, die Dich umfangen und ausgemacht hat, während Deines Aufenthalts in Dora, nur allzu gut nachempfinden, liebe Ines …

    Gefällt mir

    • „Manchmal kam es mir vor als könnten plötzlich die Tore geschlossen werden, und ich wäre mittendrin in diesem scheußlichen Spuk, der so bittere, so furchtbare Realität war.“
      So erging es mir auch. Ich war dauerhauft angespannt, weil diese Geschichte so grässlich war. Sie geht so unter die Haut, dass man sich einfach damit auseinandersetzen muss. Meiner Meinung nach sollten auch viel mehr Leute sich diese Gedenkstätten ansehen, um zu veranschaulichen, wie furchtbar damals die Zeiten waren.

      Ich hätte noch etliche Emotionen und Bilder beschreiben können. Alles was gesehen und gefühlt wurde, und wenn es auch nur für ein paar Stunden war, ist nicht so leicht zu vergessen.

      Und die Menschen, die dafür plädieren, dass diese Ergeinisse sich noch einmal wiederholen sollten, sind für mich unbegreiflich. Da bin ich sprachlos.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s