Adrenalinjunkies (Heide Park)

Das Gefühl morgens um 7 Uhr so hellwach zu sein, habe ich in der Woche nie. Aber heute fließt auch pure Abenteurerlust durch meine Adern und ich will los, um endlich anzukommen.
Seit Tagen habe ich den blöden Ohrwurm von Oli Schulz im Ohr: Heide Park, das wird unser Tag!
Mittlerweile habe ich wohl alle damit angesteckt. Ich weiß schon, wie ich Leute nerven kann.

Protokoll des Tages:

8:10 Uhr. Wir sitzen zu 4. im Auto und ich schreibe mit meiner Freundin, die ebenfalls mit 3 weiteren Leuten im Auto sitzt und auf dem Weg in den Heide Park ist. Das ist kein Zufall. Insgesamt konnten wir 12 Leute zusammen bekommen, die diesen irren Kram mitmachen wollen. Alle voller Begeisterung und Tatendrang. Ein Wunder!

10:13 Uhr. Wir fahren auf den Parkplatz des Heides Parks. 5€ Parkgebühr, die spinnen ja wohl, die Geizhälse hier.

10:33 Uhr. P. und ich stehen an der Kasse an und wollen mit den Gutscheinen (2 für 1 Tickets) die Karten holen. Zu unserer großen Überraschung klappt alles ohne Probleme. Dann heißt es warten auf die Verspäteten.

10:43 Uhr. Der Infopoint wird gefragt, welche Attraktionen heute geschlossen sind: Keine Wuhu.

11:06 Uhr. Eintreffen der anderen + Ticketkauf. Es kann los gehen. Frage mich nur, wer vor den Eingang so ein dämliches Kopfsteinpflaster gelegt hat. Da kann ja kein Mensch drauf laufen.

Da ich ab hier keine Zeiten mehr im Kopf habe, mache ich einfach mit den Fahrgeschäften weiter. Beschwerden können im Kummerkasten abgegeben werden.

Desert Race
Unsere Truppe bewegt sich auf die Achterbahn mit dem Helikopter zu. Die Anstehschlange ist kurz und wir sind schnell dran. Mentales Vorbereiten ist somit eigentlich nicht machbar. Ob man sich hier auf irgendetwas vorbereiten kann bleibt sowieso fraglich. Sobald wir sitzen werden die Sicherungen kontrolliert. Und P. und ich bekommen riesige Panik. Was erwartet uns hier? War das eine gute Idee gleich mit der zu fahren? Wer kommt auf die Idee eine Katapultachterbahn zu bauen? Wie funktioniert dieses System eigen-
Und weg sind wir. Der komplette Körper wird in den Sitz gedrückt und du kannst einfach nur noch schreien. Aber nicht, weil es so grässlich ist, sondern weil dein Bauch dieses kitzelige Gefühl hat, wenn es auf und ab geht. Und diese Geschwindigkeit raubt dir fast den Atem.
Als wir aussteigen ist mir eins klar: Die werde ich später noch mal fahren! Auch wenn mir jetzt die Beine zittern und mein Körper sich wabbelig anfühlt: Ich will da nochmal rein.
Und tatsächlich fahren wir kurz vor Schließung des Parks noch ein paar weitere Male mit. Hier gilt: Wer weiter vorne sitzt, kriegt die volle Ladung des Desert Races ab. Weiter hinten ist es ausnahmsweise mal ruhiger… Wenn man hier überhaupt von Ruhe reden kann.
Gefahren: 5x
Besonderheiten: Von 0 auf 100km/h in 2,4 Sek., 640 Meter lang und 19 Meter hoch, das Gefühl katapultiert zu werden.

Colossos
Das Gerüst der Holzachterbahn sieht instabil aus. Heute fährt nur ein Wagen, weswegen wir beinahe 2 Stunden warten. Während des Wartens hören wir die Leute schreien, und lachen und irgendwie reißen alle die Arme hoch. Die Auffahrt und Abfahrt direkt am Anfang sieht schon etwas gruselig aus. Aber es gibt kein zurück mehr. Festschnallen und los geht es.
Wieder machen wir uns gegenseitig verrückt. Während die Bahn nach oben rattert, habe ich das Gefühl, sie fährt noch ewig weiter hoch und hoch und hoch. Oh F***, ist das hoch!! Dagegen sieht selbst die Krake miniklein aus! (Ein Irrturm wie sich später herausstellt.) Wir tuckern also ganz gemächlich auf den Abgrund zu. Und doof wie wir sind, sitzen wir auch noch im letzten Abschnitt der Bahn. Wir sind also mit am allerschnellsten. Das macht sich auch bemerkbar. Schon rasen wir die (wie es mir vorkommt) 90 Grad Winkel-Abfahrt hinunter und irgendwie kommt nach dem großen Hügel gleich noch einer, und noch einer, und noch ganz viele! Wow! Mein Bauch schlägt Purzelbäume und dann reiße ich bei jeder neuen Talfahrt die Arme hoch. Wie Schaukeln nur viel schöner!
Als ich aus dem Colossos aussteige habe ich allerdings Nackenschmerzen. Diese bleiben den restlichen Tag. Wie immer nach Holzachterbahnfahrten.
Gefahren: 1x
Besonderheiten: 60 Meter Abfahrt bei 110km/h, aus Holz, 1,7km lang, Zeitintensiv

Mountain Rafting
Nach der ganzen Aufregung brauchten wir erst einmal etwas entspanntes. Leider wurde es auch etwas nass. Wir fühlten uns wie auf den strömenden Flüssen einer Actionfahrt (wären die Boote vor und hinter uns nicht gewesen. Und vor allem die hässlichen Plastiktiere am Flussufer). Die Wasserfälle plätscherten tosend zu beiden Seiten. Das Boot drehte sich selbstverständlich jedes Mal so, dass das Wasser an meiner Seite auf die Sitze schwappte. Aber ich will mich nicht beklagen, das Wetter stimmte für so eine Bootstour ja.
Gefahren: 2x
Besonderheiten: Flussmülleimer, ganz viel Wasser (komisch) und schöne Wasserfälle (WASSERFÄLLE! Wo sind die Einhörner?)

Wildwasserbahn
Eins ist klar: Hier kribbelt nichts im Bauch. Das Einzige was man auf diesem Fahrgeschäft erlebt ist nass zu werden. Klitschnass. Ich bin reichlich froh jemanden größeres vor mir gehabt zu haben. Er freute sich glaube ich nicht so. Eine Dusche ganz kostenlos. Auch hier: Bei dem Wetter nicht weiter schlimm. Und Spaß macht es ja schon, wenn man sich mal wie ein Holzfäller fühlen darf. Man darf sich nur nicht zu sehr reindenken, sonst fragt man sich nach der Fahrt, ob das nun wirklich Wasser oder doch der Schweiß ist.
Gefahren: 1x
Besonderheiten: Schwimmende Baustämme, kostenlose Dusche

Grottenblitz
Wenn da schon keine Anstehschlange ist, kann man sich ja auch mal da reinsetzen. Liebe Leute, wenn ihr über 6 Jahre alt seid, dann muss man sich da nicht mehr einfach so reinsetzen. Da passiert nämlich gar nichts. Dann fahrt doch lieber Mountain Rafting oder Kinderkarussell. Da habt ihr mehr von.
Gefahren: 1x
Besonderheiten: Fährt 2 Runden, obwohl eine gereicht hätte.

Krake
Du kannst sie riechen. Du kannst sie hören. Und du kannst sie sehen.
Nein, da geh ich nicht rein! Oh doch, ich gehe. Und ich habe Angst. Ich sterbe fast vor Angst. Wir stacheln unsere Angst so hoch, dass wir schon fast wieder umdrehen. Auch der Mann an der Gepäckabgabe macht es nicht besser. 41 Meter senkrecht in die Tiefe. Ihr habt doch einen Schaden, Leute. Die Wartezeit geht nicht rum und trotzdem sitzen wir irgendwann doch in den engen Sitzen. In der mittleren Reihe. Nach vorne haben wir uns nicht getraut. Aber auch jetzt ist die Panik schon nicht mehr messbar. Die Frau die die Sicherungen kontrolliert lässt P. nicht mehr aus ihrem Sitz raus, obwohl sie fleht. Trocken meint sie: “ Die fahre ich in der Mittagspause mit ’ner Stulle in der Hand!“ Klasse, das muntert auf. Aber bevor wir darüber noch nachdenken können, tut sich der Boden unter uns auf und der Wagon fährt los. Ganz gemächlich die 41 Meter nach oben. Und auf gerader Strecke bis zur Kante vor. Senkrecht schauen wir von oben in das Krakenmaul. Ich zähle bis 5 und wir stürzen ab. Im wahrsten Sinne des Wortes rasen wir hinunter. Mein Herz ist irgendwo auf der Fahrt nach unten stecken geblieben. Die Schraube nach dem Krakenboot bekomme ich schon gar nicht mehr mit. Schon ist die Fahrt rum. Fazit: Ich will nochmal fahren. In der ersten Reihe diesmal. Denn der Colossos war wesentlich schlimmer als die kleine Krake. Ich habe sie bezwungen. Aber ich bin ja auch Piratin. Aye.
Gefahren: 1x
Besonderheiten: Der Moment in dem Mann ins Krakenmaul blickt, der Absturz und die Ungewissheit ob man die Krake besiegen wird.

Krake lebt!
Wie gut, dass ich mir vorher Joko, Klaas und Oli im Heide Park angeschaut habe. Diese Gruselkabinett ist echt nicht ohne. Ich meine ich bin ja total angstfrei, und so. Das Schreien und Kreischen ist nur weil ich mich so freue.
Wir stehen wirklich lange an und wir haben Glück, denn wir kommen gerade noch als die letzte Gruppe rein. Ob das Glück ist weiß ich nicht. Wer das selber mal mitmachen will, sollte nicht weiterlesen, sonst ist der ganze Spaß weg. (Wer redet hier eigentlich von Spaß?)
Zuerst kommen wir in eine dunkle Kammer. Die Piratin (hey cool, die ist aber nicht von meinem Schiff..) erklärt uns, was man machen darf und was nicht. Den Erschreckern darf man zum Beispiel keine Ballern, auch wenn man sich zu Tode erschreckt. Handys und Kameras sind eh verboten. Aye? Aye! Wir werden in einen weiteren Raum geschickt. 6 Minuten bleibt uns Zeit aus dem Kabinett wieder hinauszukommen. Sonst bekommen wir keine Luft mehr. Wie tröstend. Aber das habe ich nach 2 Sek. eh wieder vergessen, denn die Tür öffnet sich und wir gelangen durch einen weiteren dunklen Raum mit sich bewegenden Hängematten ins Spiegelkabinett. Na sicher. Erstmal wird sich verlaufen und dann gehts weiter zum Koch. Der ist so verrückt, dass ich echt Angst bekomme. Erst steht er in der anderen Ecke, dann geht das Licht aus und er steht direkt vor mir. Nichts für schwache Nerven.
Weiter durch stockdunkle Räume. Menschen die von irgendwoher kommen und einen mit Wasser bespritzen. Die so nahe kommen, dass man sie wegschubsen möchte. Mit ihren gruseligen Masken und ihren Worten.
Die Wände kommen näher und der Mann mit der Taschenlampe ist echt heftig. Er leuchtet dem ersten Mann ins Gesicht und ständig ist die Lampe wieder aus. Du weißt nicht wohin und was du tun sollst.
Wir trauen uns am Ende gar nicht aus dem Ausgang hinaus, da wir immer weitere gruselige Attacken vermuten. Ich wusste nicht, dass erschrecken und Angst haben so anstrengend sein kann.
Mitgemacht: 1x (zum Glück nur 1x)
Besonderheiten: Das ganze Kabinett ist besonders. Da ist nichts normal!

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2 Kommentare

  1. Oh je, Ines, da werden mir schon beim Lesen die Knie weich. –

    Ich bin so ein Universalhöhen- und Drehbewegungsphobiker – so schlimm, dass derartige Fahrgeschäfte, wie Du sie hier gleich in Reihe frequentiert hast, für mich absolutes „no go“ sind und sein müssen.

    Deine Schilderungen über Dein Freudeempfinden sind absolut glaubhaft aber ich mag es nicht mal nachfühlen – schon dann wird mir schwindlig …

    Immerhin, Du hast offensichtlich einen tollen Tag gehabt, und das ist ja das Wichtigste.

    Meinesteils hätte ich aber wohl lieber noch eine Weltreise durchs Tierreich unternommen … 😉

    Lieben Gruß an Dich!

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    • Im Nachhinein habe ich mich auch gefragt, was mich überhaupt dazu bewogen hat in diese Bahnen zu steigen.
      Aber ich würde es direkt nochmal tun, denn Spaß gemacht hat es allemale! 🙂

      Deine Seite kann ich jedoch auch sehr gut nachvollziehen. Man muss nicht unbedingt etwas herausfordernd. Das Gute ist: Jeder kann selbst entscheiden, ob der Nervenkitzel oder der ruhige Spaziergang durch den Zoo das richtige ist.
      Ich mag beides sehr gerne.

      Liebe Grüße zurück!
      Ich hoffe das Schwindelgefühl ist nicht allzu stark 😉

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