Fremde

Ihr habt sicher gemerkt, dass es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden ist. Das ist nicht, weil ich keine Lust habe zu schreiben oder es nichts zu berichten gibt, sondern schlichtweg der fehlenden Zeit geschuldet. Den ganzen Tag verbringe ich eigentlich nur am Laptop und schreibe. Aber eben nicht am Block, sondern an der Masterarbeit. Ich bin abgetaucht. Ich hatte und habe den ganzen Juni über Urlaub und gleichzeitig keinen einzigen Urlaubstag bisher gehabt. Kein Meer, kein Wegfahren, kein Tapetenwechsel oder Ausspannen. Mein Stresspegel ist bei über 1000. Ich bin mir sicher, ihr wollt das alles gar nicht hören.

Sobald die letzten Züge durch sind, meine Augen nicht mehr viereckig und mein Kopf nicht mehr so matschig, werde ich mich wieder melden. Mit Kommentaren und mit Texten-das sei euch schon einmal angedroht.
Bis dahin zählen gerade aber andere Dinge einfach mehr. Zum Beispiel mal rausgehen, wenn die Sonne scheint, in Ruhe den Tee morgens trinken und Sport zum Ausgleich des ganzen Sitzens.

Ich werde mich melden und hoffe dann keine Fremde zu sein.

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Bücherland

Fast ein halbes Jahr ist von 2018 schon wieder verstrichen. Ich komme nur noch selten dazu, mir ein Buch zu schnappen und darin zu lesen. Außer es sind Fachbücher, aber diese zu lesen macht zwar auch Spaß, ist aber längst nicht so schön, wie manch andere Bücher. 10 Stück habe ich bis heute geschafft. Nur 10. Für mich ist das wenig. Dementsprechend wenig Vorschläge kann ich dieses Mal machen. Aber dennoch: Das ein oder andere hat mich dann doch verzaubert, gepackt, geschockt oder einfach mal für einen Moment entführt. Weil es „nur“ zehn sind, werde ich zu allen kurz etwas sagen.

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken (J. Green)

Ich fange ganz einfach an, denn diesem Buch habe ich vor kurzem erst einen eigenen Eintrag gewidmet. Das soll schon was heißen. Die Weiterempfehlungsrate ist also galaktisch hoch. Noch einmal lesen?

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war & Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (J. Meyerhoff)

Beides ganz großartige Bücher. Mit Humor und Witz werden da auch teilweise die wirklich traurigen Geschichten beschrieben. Das erste der Reihe ist noch immer am Besten, aber ich schätze, dass wird bei fast jeder Reihe so sein. Irgendwann geht der Nachschub und der Stoff halt einfach aus.

Inhalt: Das Leben und der Werdegang von Joachim Meyerhoff.

Silver Lining (M. Quick)

Mal ganz nett, zur Abendlektüre. Allerdings auch sehr voraussehbar und vom Schreibstil her nicht unbedingt meins. Dennoch eine nette Idee, die soweit ich es mitbekommen habe, auch verfilmt wurde.

Inhalt: Ein Kerl mit psychiatrischer Diagnose und stationärem Aufenthalt nach Trennung von seiner Ehefrau, wohnt wieder bei seinen Eltern. Sein Vater kann mit der Erkrankung nicht umgehen, die Mutter macht sich ständig Sorgen. Dann trifft er auf eine Gleichgesinnte, was eine Kettenreaktion von komischen Ereignissen auslöst.

Moby Dick (H. Melville)

Ein Klassiker. Da muss ich wohl hoffentlich nicht viel zu sagen. Sollte man sich das Buch vornehmen, hat man aber länger was zu tun. Viele, viele Seiten, aber langweilig wird’s nicht.

Die Hauptstadt (R. Menasse)

Mich hat es ein bisschen Zeit gekostet, in den Stil einzusteigen und damit warm zu werden. Aber nach ein paar Seiten, war ich begeistert. Aktuell, kritisch, politisch und humorvoll überspitzt – hoffe ich zumindest..

Mein Herz in zwei Welten (J. Moyes)

Das Buch ist an mir irgendwie vorbeigegangen. Ich verstehe auch selten, warum man aus einem Bestseller noch etliche Fortsetzungen rausholen muss. Ja, ganz nett, dass man die Charaktere kennt und vielleicht sogar weiß, was vorher passiert ist. Aber sehr anspruchsvoll ist es leider nicht. Wird aber beim Kauf wahrscheinlich auch keiner erwarten. Das ist ein Buch zum Nebenbeilesen.

Inhalt: Kann ich nicht zusammenfassen, ohne zu spoilern. Kurz gefasst: Eine Frau in New York. Verliebt sich. Entliebt sich. Happy End.

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie (R. Joyce)

…hat es geschafft mich noch einmal näher an die klassische Musik heranzuführen. Überhaupt geht es in dem Buch viel um Musik und Schallplatten. Alles was Retro ist und jemand, der mit Musik spricht, so harmonisch ist wie Mister Frank, den lese ich gerne. Auch ähnliche Geschichten gab es bereits, aber dennoch ist diese sehr niedlich verpackt und schön geschrieben. Wer ein bisschen Romantik und Musik mag, der sollte mal hineinblättern.

Die Geschichte des Wassers (M. Lunde)

So ein Buch während einer „Hitzeperiode“ zu lesen, in der es seit Wochen zu wenig oder gar nicht geregnet hat, hat das Thema nur noch aktueller gemacht. Frau Lunde spricht, nach Die Geschichte der Bienen wieder ein kritisches Thema an. Mich kriegt man mit sowas ziemlich schnell, auch wenn der Schreibstil eher simpel ist. Dennoch verknüpft sie auch hier wieder zwei Geschichten elegant und spannend miteinander. Und im Hinterkopf hat man immer das Wasser. Man weiß es einfach viel mehr zu schätzen, nach Beenden des Buchs.

Inhalt: Eine Umweltaktivistin im Jahre 2017, die sich für die Gletscher, die Fjorde und das Wasser in Norwegen einsetzt. Ein Vater mit einer Tochter im Jahre 2047, in dem es kaum noch Trinkwasser gibt. Die Geschichte, wie alle drei Leben zusammenhängen.

H. Yanagihara: Ein wenig Leben.

An diesem Buch lese ich derzeit noch. Es ist harter Tobak, nichts für schwache Nerven. Obwohl ich solche Geschichten teilweise sogar ähnlich aus meinem Berufsalltag kenne, schwirrt mir nach dem Lesen oft der Kopf. Ich muss ein bisschen Psychohygiene danach betreiben, um die Menschheit nicht als komplett schlecht einzuordnen. Immer wenn ich denke, jetzt geht es wirklich nicht mehr schlimmer, wird der nächste Kracher rausgehauen. Vielleicht leide ich zu sehr mit den Charakteren: Schließlich begleitet man sie über viele, viele Seiten hinweg. Es ist ein bisschen, als wäre man der machtlose Psychotherapeut des Hauptcharakters. Gleichzeitig ist das Buch unglaublich ehrlich, es verschont einen nicht. Öffnet einem die Augen und macht auch hier auf Tabuthemen  (gleich mehrere: Homosexualität, Suizidversuche, Selbstverletzung, Traumata,…) aufmerksam. Ein paar Tränen sind da schon erlaubt: Ob vor Schock, Wut oder tiefer Traurigkeit.

Inhalt: Jude ist ein innerliche zerrissener Mensch. Seine Lebensgeschichte (und dessen Auswirkungen in die Gegenwart) werden innerhalb des Buchs immer mehr und mehr aufgedeckt. Ohne großes drumherum Gerede, mit aller Hässlichkeit, die andere Menschen einem einzelnen Menschen antun können.

Amsterdam

Nun ist wieder einige Zeit vergangen und ich habe es fast noch gar nicht geschafft meine eigentlichen Eindrücke von Amsterdam zusammenzufassen. Denn das bedarf eines eigenen Eintrags. Nach all der Schönheit dieser Stadt, aufgedröselt in den letzten Berichten, folgen jetzt noch ein paar kleine Impressionen. Plus ein Versuch mit ein paar Vorurteilen, Gerüchten und Befürchtungen aufzuräumen.

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Passt man nicht auf, wird man über den Haufen gefahren.

Ja, das würde ich allerdings direkt und sofort unterschreiben. Amsterdam ist erfüllt vom Geräusch der Fahrradklingel. Theoretisch könnte man hier klassische Konditionierung vom Feinsten betreiben. Steht man auf dem Fahrradweg, ist man verloren. Will man über die Straße, muss man immer fünf Mal schauen, ob auch wirklich keiner angerast kommt. Die Radfahrer bremsen nämlich nicht. Bist du im Weg, hast du Pech.

Amsterdamer sind genervt und unfreundlich.

Ganz klar: Nein. Was für Horrorgeschichten habe ich im Vorfeld gehört. Dass die Niederländer die Touristen beleidigen, alle super genervt und unfreundlich sind. Keineswegs. Viele waschechte Amsterdamer habe ich nicht getroffen, aber die, mit denen wir uns unterhalten haben, waren durch die Bank weg sehr nett. Die Niederländer sind ein fröhliches, offenes und witziges Volk. Außerdem könnte ich es absolut nachvollziehen, wenn sie genervt vom Overtourism und den Kiffertouristen wären…

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In den Niederlanden gibt es keine 1 & 2 Cent Stücke.

Richtig. Kauft man etwas für 3,49€, zahlt man automatisch 4€. Wechselgeld gibt es nämlich nicht in 1 oder 2 Cent. Das ganze kleine Kupfergeld wird auch gar nicht erst angenommen. Da muss man sehen, wen man mit den Centmünzen füttert.

Amsterdam ist nur Rotlichtviertel und Kiffertourismus.

Na ja. Und Kanäle, Bars, Geschäfte, Kunst und viele Menschen. Der Käse darf auch nicht vergessen werden. Nein, wirklich. Die Stadt wäre auch ohne Rotlicht und Hanf wunderschön und einen Besuch wert, aber ohne Sex & Drugs vielleicht wirklich auch etwas leerer.

Jeder darf hier Boot fahren.

Kann man denken, wenn man manche Unfälle im Wasser so beobachtet. Und teilweise stimmt das auch. Ich habe nachgelesen. Boote sind Scheinfrei bis zu einer Länge von 15 Metern fahrbar. 15 Meter sind lang und Boote nicht unbedingt so einfach zu fahren, wie es bei den geübten Amsterdamern so aussieht. Die Promillegrenze – auch ein wichtiges Kriterium – liegt bei 0,5.

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Lebkuchenhäuser am Hauptbahnhof.

Was lohnt sich?

  • Negen Straatjes : Wenn man gerne die Mode der nächsten Jahre sehen möchte und gerne shoppen geht.
  • Eiskaltes Heineken trinken: Vor allem nach einem ausgiebigen Rundgang durch die Stadt.
  • Am Kanal die Boote beobachten: Manchmal reicht sitzen und sich umschauen für die Abendbeschäftigung vollkommen aus.
  • Albert Cyup Market: Für einen großen, ausgiebigen Marktbummel.
  • Rembrandtplein: Hauptsächlich abends. Da steppt der Bär.
  • Vla Pudding für Zuhause kaufen: Falls die Sehnsucht nach Urlaub zur groß wird, kann man ihn wenigstens schmecken.
  • Im Jordaan bummeln: Einer der schönsten Stadtteile Amsterdams. Viele kleine Bars, Restaurants und Künstler. Da fühl‘ ich mich schon fast wie Zuhause.

Was steht noch auf der To-Do-List für’s nächste Mal?

  • Fietsen leihen und ein bisschen Rad fahren.
  • Ein Museum besuchen.
  • Die Parks besser erkunden.
  • An einen der Stadtstrände gehen.
  • Käse kaufen.

Mai

Spät bin ich dieses Mal dran, mit meinem Rückblick. Warum? Weil gerade wieder so viel passiert. Unendlich viel. Ich versuche das Gleichgewicht zwischen Uniseminaren, Schreiben der Masterarbeit, Ausbildungsstart und sozialem Leben zu schaffen. Ein Spagat in alle Richtungen. Nur das Arbeiten fällt nun einen Monat weg. EINEN GANZEN MONAT. Wegen meiner Kündigung. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh mich das macht.

Mai

  • Disc Golf spielen. Also ja, der Versuch dessen. Es ist schwieriger als man denkt, aber macht wirklich Spaß!
  • Schon mal eine mündliche Job Zusage bekommen (die ich gleich wieder abgesagt habe).
  • „Freie“ Zeit und gutes Wetter nutzen und genießen.
  • Es regelmäßig zum Sport schaffen.
  • Weniger Handy.
  • Amsterdam erkunden.
  • Mädelswochenende.
  • Vla Pudding naschen. 

Amsterdam: Grachtenfahrten, Negen Streetjes, Blumenmarkt und Forest

Negen Straatjes 

Eine neue Stadt zu entdecken ist wie eine Geschenk zu öffnen. An jeder Ecke gibt es kleine Geschenke und Überraschungen. Meistens sind sie wunderschön und die Freude über das Entdeckte bleibt noch lange in Erinnerung. Oft sind es vor allem die kleinen Sachen, die einen erheitern und Freude bereiten. Ob es nun beim Shoppingbummel durch Amsterdams Negen Straatjes ist und plötzlich in einem Einkaufszentrum eine VW Käfer Kugel auftaucht oder ob es ein kleines Restaurant ist, welches von außen unspektakulär aussieht, aber einen wunderschönen Innenhof und gemütliche Räume im inneren verbirgt. Negen Straatjes ist übrigens ein Bummel wert, insofern man die Mode der Niederländer (also die neusten Trends, die vielleicht in zwei Jahren bei uns ankommen werden) und viele Menschen mag. Es ist nämlich irre voll in den Einkaufsstraßen. Jeden Laden gibt es mindestens 3x, sodass man leicht die Orientierung verlieren kann.

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Grachtenfahrt

Bevor wir aber zur Shoppingtour aufbrachen, wurde erst einmal im Hard Rock Cafe gegessen. Ich liebe die Veggie Burger dort. Eigentlich. Das Essen war hier enttäuschend schlecht. Danach hätte ich mich gerne in den Schatten irgendwo am Wasser gesetzt und eine kleine Pause gemacht. Aber meine Begleiterinnen hatten den Plan eine Grachtenfahrt zu machen. Bin ich kein Fan von. Hätte man mich mit dem Kanu selber fahren lassen, hätte ich das sofort gemacht. Für mich ist es unglaublich langweilig auf Schiffen durch die Gegend zu fahren. Bei Kutschen geht es mir ähnlich. Es führte aber kein Weg drumherum. Es wurde eine Grachtenfahrt gemacht. 18€ kostete der „Spaß“. 70 Minuten waren wir unterwegs. Alle Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbei fuhren, hatten wir vorher schon von Land aus gesehen-sogar noch viel besser. Ich war eigentlich die ganze Fahrt damit beschäftigt in dem kleinen Streifen Schatten umherzurutschen und das Gesicht nicht zu verziehen. Denn die Kopfhörer taten nach 3 Minuten unfassbar in den Ohren weh. Für manche sicher ein Highlight, doch ich konnte leider nichts damit anfangen.

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Blumenmarkt

Auch über den Blumenmarkt schlendern ist sicher etwas, was man in Amsterdam UNBEDINGT mal gemacht haben muss. Wer wohl diese To-Do-Listen immer erstellt? Es ist wirklich ganz nett über den Markt zu spazieren und die außergewöhnlichen Blumenprachten zu bestaunen. Vor allem die Tulpen. Tulpen aus Amsterdam, DAS Klischee schlechthin und doch solch ein schönes. Für einen kleinen Walk lohnt es sich hierher zu kommen, doch zu viel sollte man nicht erwarten. Blumenfreunde kommen aber sicher auf ihre Kosten (obwohl ich mich eigentlich auch zu einem zählen würde). Ansonsten gibt es Blumen aber sowieso an jeder Ecke zu kaufen. In allen erdenklichen Variationen.

Blumen1

Amsterdamse Bos//Amsterdam forest

So ganz sang und klanglos wollten wir am Sonntag dann doch nicht einfach fahren. Da stand noch ein Abschied bevor. Also zogen wir uns luftige Klamotten an und liefen zum Amsterdam forest. Ein riesiger, nein gigantischer, Park. Was hier alles zu finden war. Wir genossen noch ein bisschen die Zeit und vor allem den Schatten der Alleen. Nur das  große Wasser sahen wir leider nicht mehr.

Park

Amsterdam: Sehenswürdigkeiten & Marktbummel

Magere Brug & Rembrandtplein

Auch am zweiten Tag schafften wir es nicht uns Fietsen zu leihen. Allerdings steht das für meinen nächsten Niederlandebesuch ganz weit oben. Es gab aber auch keinerlei Probleme, die Stadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß zu erkunden. Am Waterlooplein spuckte uns die Metro aus und wir schlenderten gemütlich los. Das erste was uns durch Zufall in die Quere kam und was ich sogar erkennen konnte, war die magere Brücke. Die alte, ja man kann schon uralt sagen, Brücke. Zu frühen Zeiten, gebaut 1671, war sie noch winzig und schmal. Heute ist sie schon etwas aufgerüstet wurden.

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Mager, aber interessant anzusehen. 

Weiter ging es zum Rembrandtplein. Umlagert von Bars und Restaurants liegt sie da, die Statur des Rembrandts. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass Restaurants und Bars immer nur dann in Massen vorhanden sind, wenn man kein bisschen hungrig ist oder es noch zu früh ist um was zu trinken? Uns erging es zumindest ziemlich genau so. Also begutachteten wir fachfrauisch den Rembrandt, er schaute fachmännisch zurück, dann zogen wir weiter.

Rembrandt
Kritisch gucken können wir alle, Herr Rembrandt.

Albert Cuyp Market & Museums Quatier

Das bunte Markttreiben ließ vorerst auf sich warten. An einer breiten Straße lungerten wir entlang, vorbei an der Heineken Brauerei, in der leider kein Bier mehr gebraut wird – mittlerweile wäre die Uhrzeit okay gewesen, um ein Bierchen zu trinken. Obwohl ich direkt den Spruch im Ohr hatte: Kein Bier vor vier. Aber war es ja auch nicht. Es war ja schließlich nach vier Uhr nachts. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt…

Markt
Einmal O-Saft zum Mitnehmen bitte. (Albert Cuyp Markt)

Auf dem Albert Cuyp Markt angekommen, hatte ich kurz ein Flashback. Ich fühlte mich wirklich wie in Spanien. Als liefe ich auf einem der mallorquinischen Märkte, auf denen ich so oft gebummelt bin. Es gab ähnliche Dinge im Angebot und ich kaufte mir tatsächlich einen frischgepressten O-Saft. Nur für’s Feeling. Spanien in den Niederlanden. Aber für’s Wohlfühlen und Herz höher schlagen lassen, war es einfach genau das Richtige.

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Lässt das Herz höher schlagen: Wasserbecken am Rijkmuseum.

Was könnte besser sein, als ein bisschen Abkühlung bei 30 Grad im Schatten? Genau: Nur Wasser hilft. Da zog es uns dann auch hin. Obwohl Amsterdam mit den ganzen Kanälen ja gefühlt im Wasser schwimmt, kommt man selten bis ganz nah ran, um die Füße rein zu halten. Vor dem Rijkmuseum kam dann unsere Chance. Die nutzen nicht nur wir, sondern auch etliche andere Menschen. Es war ein unglaubliches Treiben und ein riesiger Auflauf an Touristen. Überall standen sie vor dem I amsterdam Schriftzug, sodass wir hier keinerlei Chance hatten, überhaupt ein Foto davon zu machen. Gut, dass wir das am Tag vorher schon erledigen konnten.

Amsterdam: NDSM-Werft & Central & Airbnb

48 Stunden Amsterdam. Wow. Diese Stadt hatte ich eigentlich nie so richtig auf dem Schirm. Immer wenn es hieß „auf zu einem Städtetrip“, kamen mir Orte wie Barcelona oder Rom in den Sinn. Dabei sind mir die Niederländer schon immer sympathisch gewesen. Also ging es für ein Wochenende nach Holland. Mit dem Auto. Da erlebte ich die erste Überraschung: Der Sprit ist in den Niederlanden eigentlich nicht bezahlbar, dafür sind die Autobahnen aber sehr entspannt zu fahren. Das Auto war voll gepackt mit den wichtigsten Sachen: Kamera, Klamotten, Essen und die zwei Ladys als meine Begleitung.

In Amsterdam angekommen sah es gar nicht aus wie Amsterdam. Es fuhr kaum jemand Fahrrad. Überhaupt war alles so ruhig. Kurz befürchtete ich, wir hätten etwas falsches ins Navi eingegeben. Amsterdam Zuid ist allerdings einfach ein schönes, ruhiges Fleckchen Erde. Wir checkten in unsere Wohnung ein, wurden herzlich von unserer Hostin begrüßt und waren total verliebt in diese Wohnung. Die findet ihr übrigens über Airbnb. (Ich bin ab jetzt, nach zwei gelungenen Buchungen innerhalb eines Monats, Fan davon.)

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Hauptbahnhof

Nach dem langen Sitzen machten wir uns erst einmal auf den Weg in die Innenstadt. Ganz zu allererst kauften wir uns aber ein Ticket für das öffentliche Verkehrsnetz. Die Fietsen (Fahrräder) lohnten sich für einen halben Tag ohne jegliche Planung noch nicht. Also einchecken, einsteigen, aussteigen, auschecken –  das darf man hier nämlich nicht vergessen, sonst gilt die Karte irgendwann nicht mehr oder man kommt aus den Metrostationen nicht mehr raus. Amsterdam Central Station war unsere erste Anlaufsstelle. Da ich mir unter der Stadt eigentlich so gar nichts vorgestellt hatte- außer die paar Vorurteile, die man eh schon hat- mussten wir erst einmal kurz stehen bleiben.

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IJ-Gebiet & NDSM-Werf

Auf höhe des Wassers und die pulsierende Stadt mit all den Reizen um mich herum, begrüßte ich Amsterdam ganz still und heimlich. Autos preschten vorbei, Fahrräder zischten in alle Richtungen, klingelten ununterbrochen, das Stimmengewirr der Menschen war unglaublich laut. Ich genoss es. Einmal Großstadt zum Fühlen, bitte. Lange blieben wir aber nicht stehen, denn wir wollten unbedingt noch mit der kostenlosen Fähre fahren. Dieser Geheimtipp versprach einiges. Die Enttäuschung folgte leider ziemlich schnell.

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Die NDSM-Fähre nutzten wir erst als zweites. Vorher fuhren wir mit der Nachbarfähre ans andere Ufer und bestaunten die höchsten Schaukeln Europas. Überzeugen konnte ich dazu leider niemanden. Also weiter zum EYE, das irgendwie abgefahren aussieht. Es beherbergt, nach meinen Recherchen, ein Filminstitut. Direkt davor befindet sich das Highlight der kleinen IJ-Insel: Der Schriftzug I amsterdam. Hier werden selbstredend Fotos um Fotos verschossen. Gut, dass man heutzutage keine Filme mehr verknipst.

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Mit dem bunten Treiben und den vielen Einheimischen Berufspendlern geht es wieder zurück zum Hauptbahnhof, nur um die nächste Fähre zu nehmen. Das war allerdings, wie schon angekündigt, kein Geheimtipp. Denn an den alten Lagerhallen angekommen passiert nicht wirklich viel. Wir finden weder die hippen, umgebauten Strandbars, noch die alten Hallen, in denen kulinarische Köstlichkeiten und Kunst angeboten und ausgestellt wird. Schade drum. Dafür gibt’s einen Rummel. Hey yay.

Anne Frank Huis

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Da der Tag nun schon etwas voran geschritten war, bummelten wir durch die Innenstadt, aßen bei einem Italiener gemütlich zu Abend und staunten dann noch über das Haus von Anne Frank. Diese Geschichte ist einzigartig und trotzdem diese Stadt so ein schönes, entspanntes Flair verbreitet, wurde es mir doch ein bisschen komisch, als ich an Anne und ihre Geschichte dachte.

Eigenartig bist du

Ich rücke das Bild an der Wand zurecht. Es hing schief. Schnell gucke ich noch einmal, ob das Auto auch wirklich abgeschlossen ist. Bettwäsche gehört mit den Knöpfen ans Fußende, sonst ist sie falsch herum. Im Supermarkt nehme ich nie die Sachen, die ganz vorne im Regal stehen. Wenn ich nervös bin summe ich das Pipi Langstrumpf Lied vor mich hin.

All das sind Eigenarten, die mich auszeichnen. Marotten und Macken, die ich nicht ablegen kann. Die einen würden es als zwanghaft bezeichnen, die anderen als liebenswürdig. Jeder Mensch hat Eigenarten.

Meine Gedanken sind oft sprunghaft: Wenn ich bei einem Spaziergang mit Freunden ein Eichhörnchen sehe, muss ich mich über das Eichhörnchen freuen und kann dem eigentlichen Gespräch nicht mehr folgen. Ich hasse Bücherumschläge, mir rutschen die Bücher jedes Mal aus der Hand. Käsepackungen mit wiederverschließbarem Verschluss schaffe ich immer so aufzureißen, dass sie nicht wieder zugehen.

Wie gleich müssen die Eigenarten von zwei Menschen sein, dass sie sich gut verstehen? Oder ist es gerade schön, die so ganz anderen Eigenarten des gegenüber zu lieben und sich darüber ein bisschen lustig machen zu können?

Was für kleine Macken und Eigenarten habt ihr?

 

Pfänder & Konstanz [Bodensee]

Nun folgt noch der letzte Eintrag. Zum Ende unserer Reise hin fiel uns fast schwer, auszuwählen, was wir machen wollten. Zumal wir nicht allzu viel Zeit hatten. Also wurde kurzer Hand entschlossen nach Österreich zu fahren. Dieses Länder Dreieck (fast Sechseck) ist hier unten einfach herrlich. Kaum ist man in der Schweiz oder in Österreich und schon sprechen auch die Leute ganz anders.

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Im Auto ist der Weg am Bodensee entlang wesentlich entspannter als mit dem Rad. Wir konnten also fast alles, was wir den Tag vorher nur so halb wahrgenommen hatte, noch einmal genauer begutachten. Im Schnelldurchlauf. Dann ging es nämlich schon über die Grenze und hinauf auf den Pfänder.

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Dieser Weitblick ist einfach gigantisch. Obwohl der „Berg“ noch nicht einmal sehr hoch ist (kleiner als der Brocken!), konnten die echten Berge angeschaut werden und der Bodensee lag uns zu Füßen. Es war super voll hier oben. Menschen tummelten sich aneinander. Wäre es etwas ruhiger gewesen, hätten wir sicher noch ein bisschen mehr Zeit hier verbracht. So schauten wir noch einmal kurz in den kostenfreien Wildpark und sagten den Mufflons hallo.

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Nach einem kleinen Snack und späterem Käsekauf am Käsomat, ging es dann auch schon wieder Richtung Deutschland zurück. Die Fahrt nach Konstanz zog sich ewig. Konstanz war ein einziger Stau. Und auf dem Parkplatz erst nach 10 Runden drehen etwas frei. Unsere Laune war im Keller.

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Aber dennoch: Auch wenn wir keine Lust mehr hatten in Konstanz überfüllte Innenstadt, saßen wir einfach ein bisschen am Rhein mit D, den wir hier treffen wollten, und aßen Kuchen. Auch das ganz sehr nett sein.

Radfahren rund um den Bodensee

An der Ostsee, oben im Norden, da kann man Rad fahren bis zum Abwinken. Da gibt es keine Berge und die Kilometer fliegen nur so dahin. Eigentlich machen wir das immer so. Wenn wir an der See sind oder auf einem Kurztrip unterwegs, dann leihen wir uns Räder und radeln los. Fehmarn, Rügen, Fischland, Zingst, Laboe, usw., alles schon abgeradelt. Also dachten wir uns auch dieses Mal: Drahtesel leihen und los. Bietet sich der See doch gut für an. Aber Wasser ist nicht gleich Wasser und der Süden nicht der Norden.

Von Bodman starteten wir direkt bergauf. Das einzige beruhigende war, dass selbst die Rennradler fix und fertig aussahen. Der Berg zog sich. Nach jeder Kurve dachte man, dass die Qual doch nun endlich zu Ende sein müsste. Sie endete auch, aber eben erst nach 4km. Nie war Radfahren so anstrengend. Schon komplett k.o. ging es dann ja eigentlich erst richtig los.

Radtour
Quelle: Google Maps

Der Radsport ist hier hoch im Kurs. Man fährt eigentlich immer in einer Karawane mit anderen Leuten. Leider führt der Weg (nachdem man auf der Straße rumgeeiert ist) immer weiter an der Straße entlang. Es ist ziemlich laut und den See sieht man sehr, sehr lange nicht mehr. Aber irgendwann, kurz vor Wallshausen, wird alles anders. Der Radweg wird freundlicher. Irgendwann taucht auch See wieder auf. Und dann plötzlich die Insel Mainau. Erkennbar nur daran, dass 1 Millionen Menschen versuchen sich eine Karte für die Blumeninsel zu kaufen. Eigentlich sah unser Ziel genau so aus. Auf die Insel und Blumen gucken. Pustekuchen. Viel zu viel los und viel zu teuer befanden wir und fuhren einfach weiter.

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Meersburg ganz klein.

In einem Restaurant kurz vor Staad machten wir einen Halt, blickten aus Wasser und wollten nie wieder aufstehen. Spätestens jetzt waren wir vollkommen am Ende, dabei hatten wir nicht mal die Hälfte des Weges. Die Kaputtheit war allerdings auch der Sonne geschuldet, die ballerte nämlich ordentlich. In Staad ging es dann mit der Fähre nach Meersburg. Anhalten und umgucken war nicht drin. Wir wollten den Weg möglichst schnell hinter uns bringen. Dabei begann hier, zwischen den Weinbergen und Burgen, der schönste Teil der Strecke.

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Kleines Meer

Den Rest des Weges nahm ich gar nicht mehr richtig wahr. Ab und zu blitzte der See durch oder er lag in voller Größe zu Füßen. Die Obstplantagen verströmten ihre Pollen, die Weinberge sahen vom Winter noch ganz kahl aus. Am Ende ging es dann noch durch die kleinen Orte, die wirklich wunderschön waren. Wäre ich nicht so kaputt gewesen, hätte ich eine Erkundungstour gestartet. Aber mittlerweile war es schon später Nachmittag und noch kein Ende in Sicht. Sipplingen, Überlingen, selbst die Namen waren amüsant.

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60km geschafft. Es war eine Herausforderung. Dennoch können wir alle sagen, dass es eine schöne war. Mit vielen kleinen Orten, die verzaubert haben. Nicht umsonst fahren hier so viele Leute Fahrrad. Die meisten allerdings mit E-Bike (was für mich immer ein bisschen schummeln ist).